Donnerstag, 5. Juli 2012
Ein paar offene Worte.
Mittwoch, 6. Juni 2012
Wellenworte.
Das Meer ist heute voller
Segelboote. Mit ihren spitzweißen Flügeln zerstechen Sie den tiefhängenden
Horizont. Wenn ich die Augen zusammenkneife, sehen sie aus wie eine Flotte
Haie, deren Rückenflossen weit aus dem Wasser stehen. Ich trete einen Schritt
ins Meer, lächle und schwimme als Robbe verkleidet auf sie zu.Eine ältere Gemüsehändlerin fragt mich nach dem ich bei ihr eingekauft habe: „Sei tedesca?“, was ich bejahe. Sie strahlt und sagt mir, dass wir Deutschen alle nach Italien in den Urlaub kommen, aber sie nach Deutschland fahre, jedes Jahr, wenn das Geld reicht, weil dieses Land so multo schön sei. Heidelberg und München und Köln zählt sie auf, Hamburg und Dresden und Essen. ,Essen?' frage ich nach. ,Si, Essen.' bestätigt sie. Ihr Vater habe dort mal gearbeitet. In einer Fabrik. Das sei aber lange her. Sie lächelt. Als ich ihr sage, dass wir aus Karlsruhe kommen, sagt sie, das kenne sie, da stehe eine Pyramide mitten in der Stadt, sie habe das sehr lustig gefunden. Und lacht ihr rauhes italienisches, warmes, weiches Lachen. Ich lache mit, ja, die Pyramide finde ich auch sehr lustig. Wie das auf einen Touristen aus einem fremden Land wirken muss, darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht.
Wie große Stahlfische stehen
die Fähren am Pier. Sie warten geduldig und rostig heiser auf die langen
Schlangen der Urlauber, die bleich und ein wenig müde auf die Überfahrt warten.
Elba, Korsika, Sardinien. Der große, blaue Wal, das Erkennungszeichen der Moby
Schifffahrtslinie und die bunten Mordillozeichnungen wollen den kurzen Weg über
das Meer fröhlich einstimmen. Wir sind zwei Stunden zu früh am Pier, stellen
uns geduldig in die Schlange der Wartenden ein. Hier ist alles preußisch
durchorganisiert, keiner der Deutschen - und es sind vornehmlich deutsche
Urlauber zu dieser frühen Zeit - verlässt sein Auto, aus Angst, den Startschuss
zu verpassen. Wir schließen ab, verlassen das Pier und gehen erst mal ganz
südeuropäisch gelassen einen Kaffee trinken. Als wir zurückkommen, beginnen die
orangeleuchtenden Uniformierten, die ersten Reihen in den Weißen Wal zu winken.
Wir haben Glück und dürfen diese frühere Fähre nehmen, noch hat die Saison
nicht begonnen und das Schiff namens ,Love' öffnet uns geduldig seine Rampe.
Wir verschwinden im Inneren, wo bereits der nächste Caffé auf uns wartet. Elba
ist da.A domani, Italia.
Donnerstag, 5. April 2012
Flackern.
Mittwoch, 4. April 2012
Wegzehrung.
Unzählige Male stellt sie den Becher wieder auf das kleine Tischchen vor sich, unzählige Male greift sie nach dem Roman, der vor ihr liegt. Die Geschichte über Selbstmord, über Liebe und Leben. Reiselektüre. Nach wenigen Seiten, nach wiederholtem Neulesen, beschließt sie, vielleicht zu überstürzt, dass dieses Buch ihr nicht gefällt. Wer will in solchen Augenblicken schon von toten Frauen nach Hochzeitsreisen lesen, wenn er an das Küssen denken kann.
Freitag, 30. Dezember 2011
Für alle Töchter.
wunderbares, kleines Wesen. Ich liebe Dich so sehr dafür, dass Du bist, und dass Du bist, wie Du bist. Wir lachen, wir weinen, wir erleben, wir staunen. Jeder von uns inzwischen in seiner eigenen Welt, und doch immer miteinander. Ich stehe manchmal nachts immer noch an Deinem Bett und schaue Dir zu und mir laufen die Tränen vor Dankbarkeit. Dankbar, dass Du gesund bist. Und Deinen Weg gehst. Dass Du ein gutes, großes Herz hast. Dankbar für Deine Fröhlichkeit, für Deine Nachdenklichkeit, Deinen faszinierenden Charme, Deine Kindlichkeit im Erwachsenwerden. Ja, geh Deinen Weg, mein Engel. Ich konnte Dir nicht immer alles ersparen, wir haben auch in den letzten Monaten immer mal wieder geweint, wir mussten in diesem Jahr auch trauern.
Dann Deine erste Liebe, Du hast ihn mir vorgestellt, Du hast mir Eure Geschichte anvertraut. Deine USA-Reise, Du warst mal wieder auf einem anderen Kontinent, meine Globetrotterin. Dann Dein Entschluss, ins Ausland zu gehen im nächsten Jahr, ich habe jetzt schon ein wenig Bammel davor. Unser Nordseetrip und Deine lachende Freude beim Drachensteigen lassen. Deine ersten Partys und unsere Samstagabende, wenn wir kichernd vorm Spiegel stehen und uns gegenseitig Schminktipps geben. Dein Abschlussball. Du bist so schön, meine Kleine. Dein wunderbares Weihnachtsgeschenk für mich, das ich immer noch nicht fassen kann. Die kleinen Nachrichten zwischendurch, die immer mit HDGDL oder ILD enden und mich so sehr rühren.
Und die Morgende, an denen Du Dir immer noch den Wecker stellst, um früher aufzustehen, um Dich zu mir ins Bett zu kuscheln.
Du hast mich zu dem besten Menschen gemacht, der ich werden konnte. Danke!
Ich liebe Dich,
Mami
Mittwoch, 29. Juni 2011
Gewünscht. Heute grösstenteils harmlos.
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| Wir müssen leider draussen bleiben. |
Der Tweet Eures Lebens?
Danke dafür, dass Ihr mich zum Kritzeln bringt ;-)
Dienstag, 21. Juni 2011
*Verliebt, verlobt, normal.* *
Es begann ganz harmlos. Wir saßen beim friedlichen Freitagmittaghähnchenpommes-Essen. „Mein Bruder wird mal Traumforscher“. Meine Tochter L. sieht ihre Freundin S. mit großen Augen an und sagt: „Toll. Und ich werd mal Künstlerin“. „Und ich eine normale Mutter“ kommt es von S. zurück. Mir bleibt der Bissen im Hals stecken. Ein normale Mutter. Eine normale Mutter? Eine ... was? Was bitte ist eine normale Mutter? Die Antwort kommt prompt. „Na, eine, die immer für Ihre Kinder da ist“. Die Ohrfeige sitzt.
Meine kleine L., leidgeprüftes Kind einer berufstätig unnormalen Mutter darauf ganz lässig: „Das geht nicht. Du musst auch einen richtigen Beruf haben. Um Geld zu verdienen.“ Hach, grinsend lehne ich mich zurück. Grundlagen der kapitalen Marktwirtschaft und Ausgangssituation für Barbiepuppen-, Kinoeintritte-, SpongeBob-Sammelkarten-Beschaffungsmaßnahmen erfolgreich gelehrt.
„Neee, muss ich nicht, ich hab dann ja einen Mann der Geld verdient“. Aua. Das sitzt. Gespannt schaue ich in das Gesicht meiner Tochter, die wohl merkt, dass gegen dieses Argument kaum anzukommen ist. Dann ein Lächeln. Und ein fragendes „Und wenn dein Mann mal krank ist?“. „Dann geh ich in der Zeit für ihn arbeiten“. Ich wollte an dieser Stelle keine Diskussion über Teilzeitstellen für ungelernte normale Mütter und die Gesamtarbeitsmarktsituation in Deutschland anfangen. Es sind ja noch ein paar Jahre Zeit.
Wer denkt, dass der Schlagabtausch an dieser Stelle zu Ende geht, der täuscht. Meine Tochter kommt in Fahrt: „Aber deine Mama und meine Mama haben ja gar keinen Mann. Stimmts Mama?“ Ich nicke nachdenklich. Warum die Rückversicherung? „Meine Mama hat wohl noch einen Mann, aber die wohnen nicht mehr zusammen. Und die Mama muss trotzdem nicht arbeiten. Die sind nämlich verheiratet.“ Ich zucke. So geht das also. (Hallo Vater meiner Tochter. Hätten wir doch heiraten sollen?).
L. schaut mich nachdenklich an. „Gell, Mama, man muss gar nicht heiraten. Man kann sich auch so lieben.“ Ich überlege, ob es an der Zeit ist, meine lila gefärbte Windel an meine Tochter weiterzureichen. Ich seufze in tiefer Reminiszenz an ein längst vergangenes Emanzipation-im-Aufbruch-Gefühl. Aber nur ganz kurz. Dann kommt der Nachschlag.
„So wie Du und der Papa. Ihr liebt euch, aber ihr seid nicht zusammen.“
Oh. Da habe ich wohl was verpasst. Ich stottere etwas von „Ähem, nein, also, der Papa und ich ... ja, wir mögen uns, aber wir ... äh ... lieben uns nicht mehr. Sonst wären wir ja ... äh ... immer noch zusammen. Aber ... na ja, wir sind ... äh ... Freunde!“.
Schallendes Gelächter.
Die ersten Pommeskrümel fliegen durch die Küche.
Zahnlücken erfüllen den Raum.
Ich fühle mich auf einmal sehr alt. Und unverstanden. Da sitze ich mit zwei Siebenjährigen am Küchentisch und werde ausgelacht. „Mama, ein Mann kann doch kein Freund sein.“ Das kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Ich schweige jetzt lieber. Meine Tochter setzt noch mal nach: „Mama, wann hast du endlich wieder einen Mann?“.
Ich tranchiere statt einer Antwort lieber noch ein bisschen am Hähnchen rum. Vielleicht liegt da ja ein Zettel drin. Ein Glückshähnchenzettel. Auf dem steht dann: „Das Glück liegt darin, eine normale Mutter zu sein“.
(2004)







